Preisverleihung 2026

Zum 23. Mal ist in Halle der Engagementpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ verliehen worden – erstmals auch postum.

Von Annette Herold-Stolze

Der Bürgerpreis "Der Esel, der auf Rosen geht", Preisverleihung 22. August 2026 im neuen Theater Halle

Strahlende Gewinner und Initiatoren: Das Gruppenbild zum Abschluss der Gala gehört zum Esel wie der Müllersbursche. Foto: Steffen Schellhorn

Halle (Saale)/MZ - Es war ein Abend großer Emotionen und großer Dankbarkeit, vor allem aber ein Fest für das Ehrenamt, das am Samstag Menschen im vollbesetzten Neuen Theater (NT) zusammengebracht hat: Zum 23. Mal ist der Engagementpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ verliehen worden. So viel kann man sagen: Gewonnen haben alle. Zum ersten Mal haben die Initiatoren – die Volksbank, das Neue Theater und die Mitteldeutsche Zeitung – auch all jene, die zwar für die Auszeichnung nominiert waren, aber keinen Preis erhalten haben, mit einer Plakette aus der Werkstatt des halleschen Künstlers Carsten Theumer bedacht, der auch die begehrten Esel-Statuen gestaltet hat. Helden des Alltags „In diesem Saal sitzen Menschen, die durch soziale Aktionen ein sozialeres Miteinander schaffen“, würdigte NT-Intendantin Mille Maria Dalsgaard, die die festliche Gala wieder gemeinsam mit ihrem Vorgänger Matthias Brenner moderierte. Passend dazu solle mit der Preisverleihung „ein Fest für die Liebe, den Zusammenhalt und die Vielfalt“ gefeiert werden. Das bekräftigte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sagte er in einem Video-Grußwort, machten das Land „jeden Tag ein Stückchen besser“. Halles  Oberbürgermeister bezeichnete freiwillig Engagierte als Menschen, „die Brücken bauen und Hoffnung schenken“, und als „wahre Helden des Alltags“. Dazu zählt nach Meinung ihrer Schüler ganz sicher Mandy Rauchfuß, Leiterin der halleschen Grundschule „Heinrich Heine“, die sich dort und weit darüber hinaus engagiert und einen von drei Bürgerpreisen erhielt. Und dazu zählte auch Hiltrud Blaue. Jahrzehntelang hat sie sich engagiert, unter anderem als Begründerin des Jugendclubs in Wettin. Sie sollte nun dafür einen Bürgerpreis erhalten, ist aber im August nach langer Krankheit gestorben. Die Entscheidung für sie als Preisträgerin war schon gefallen, und so entschlossen sich  die Organisatoren mit Einverständnis ihres Mannes, den Preis erstmals postum zu verleihen. „Hiltrud Blaue ist gegangen, aber sie hat uns ihr Lebenswerk hinterlassen, und es wird weiterleben“, würdigte Moderator Brenner die verstorbene Preisträgerin. Er  habe sich sehr gut von seiner Frau verabschieden können, sagte Manfred Blaue, als er den Preis für sie entgegennahm. „Ich weiß, dass sie diesen Preis würdigen wird. Sie schaut von oben runter, das weiß ich auch.“ Mit dem dritten Bürgerpreis sind die „Berufspaten mit Herz“ der Freiwilligenagentur geehrt worden – Ehrenamtliche, die Migranten dabei begleiten, beruflich hierzulande Fuß zu fassen. Volksbank-Chef Sascha Gläßer, im Ehrenamt Präsident der Industrie- und Handelskammer, hob die Bedeutung dieser Tätigkeit hervor. „Für uns ist es wichtig, dass wir eine weltoffene Gesellschaft sind“, sagte er und erhielt dafür großen Beifall, „und dass wir auch nach dem 6. September internationale Investoren nach Sachsen-Anhalt locken.“ Der Preis der Jury ging in diesem Jahr an die Initiatoren des „Wir-Festivals“, mit dem die hallesche Zivilgesellschaft der rechten Buchmesse „Seitenwechsel“ etwas entgegensetzen wollte, die im Herbst 2025 erstmals in Halle stattfand. Er wünsche sich für die Zukunft, dass Halle mehr Selbstbewusstsein zeige, sagte Mitinitiator Steffen Hendel, weil es diese Zivilgesellschaft in der Stadt gebe, „und dass man nicht bei den Stadträten auf Widerstand stößt“. Wer mit dem Publikumspreis 2026 bedacht wird, blieb bis zuletzt offen – bis zur Preisverleihung war eine Online-Abstimmung für einen der drei Kandidaten möglich. Schließlich konnten die Lesementoren Merseburg, die sich der Leseförderung an Grundschulen im Saalekreis verschrieben haben, die meisten Stimmen auf sich vereinen. Um eine Laudatio auf die Frau zu halten, die schließlich den Preis der Initiatoren erhalten sollte, waren Polens Botschafter in Deutschland, Jan Tombinski, und Sachsen-Anhalts Staatskanzleichef Rainer Robra angereist. Beide würdigten Cornelia Pieper, Hallenserin, FDP-Politikerin und eine Frau, die sich unter anderem maßgeblich für das geplante Zukunftszentrum eingesetzt hat. Diplomatie trifft Bürger Robra hob Piepers „unermüdliche und stets freundliche Durchsetzungsfähigkeit“ hervor. Botschafter Tombinski würdigte ihre Verdienste um die deutsch-polnische Zusammenarbeit. „Wir brauchen Deine Stimme“, sagte er, an die fließend polnisch  prechende Preisträgerin gewandt, „I bardzo prosze o wiecej (Und ich bitte sehr um mehr).“ „Ich bin gerührt“, erwiderte Pieper. „Mir bedeutet die Freundschaft mit den Völkern sehr viel.“ Zugleich machte die ehemalige deutsche Generalkonsulin im polnischen Danzig deutlich, dass sie sich weiter engagieren wolle – unter anderem mit dem „Diplomatischen Salon“, zu dem im November der polnische und der französische Botschafter in Halle erwartet werden. „Ich denke, es ist sehr wichtig, Politik und Diplomatie wieder näher mit den Bürgern zusammenzubringen. Ich glaube, man hat sich ganz schön auseinandergelebt.“

Die Preisverleihung fand am 22. August 2026 im Neuen Theater Halle statt.